Deutsche Wanderjugend im Rhoenklub

 

 
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How to survive - Survival: Outdoorkidsaction in "groß"

   
     

10 mutige DWJ-ler machten sich am vergangenen Wochenende auf, sich in einer Selbsterfahrung zu testen & die Möglichkeiten eines Jugendlehrgangs zu entdecken. Drei große Punkte allem voran: Feuer anzünden - aber ohne Feuerzeug oder Streichhölzer. Die Kräuterküche im Wald entdecken, so vieles, was essbar ist & gut schmeckt, wir in unserer Zivilisation aber nicht mehr kennen. Und zuletzt: Der einzige Luxus war die Isomatte & der Schlafsack. Übernachten im Wald zum Höhepunkt der Eisheiligen.

Ein ausführlicher Bericht nach den Fotos ...

 

Die "Surviver" vor der Tour, unterwegs mit der Kräuterfee. Es gibt so viele kleine Häppchen im Wald, man muss sich nur bücken & essen: Waldmeister, Brennessel, Giersch, Löwenzahn, ...
Alles getestet & die Kräuterbutter daraus war lecker!

hier: Zeltplatz Farnsberg, Rhön.

  DWJ im Rhönklub

 

   

Waldboden unten, dichter Nadelwuchs oben und Windschutz oben, links und rechts: Unser Unterschlupf für eine Nacht. Nachhaltig für kleine Waldbewohner: Der Abbau erfolgte durch einen festen Tritt am tragenden Stamm der Konstruktion und erschuf damit einen Unterschlupf für Kleintiere.

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Ein weiterer Unterschlupf für zwei Surviver, auf der Lichtung.

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Feuer machen. Ok, die Feuersteine sind moderner, als bei unseren Vorfahren, aber trotzdem genauso mühselig. Hier ist Geduld gefragt. Entweder es klappt & alles wird gut... oder es klappt nicht & die Nacht inkl. Abendessen wird recht kalt.
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Zubereitung des Abendessens: Kartoffel, Möhren, Lauch, Wasser, Kräuter - was gibt das wohl?
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Na, Eintopf natürlich!   DWJ im Rhönklub
     
Surviven macht müde ;-) Noch gab es ja wärmende Sonne!   DWJ im Rhönklub
     
So eine Suppe kann so gut schmecken, wenn es nix anderes gibt! Spaß beiseite, sie hat wirklich gut geschmeckt. Gute Arbeit der Surviver-Köche.
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Wir haben das letzte Lied der Vögel am Abend gehört, das Bellen der Füchse in der Nacht und das Morgenlied der Vögel am Tag danach. Frühnebel über der Lichtung sieht schon schön aus. War aber nicht nur Nebel, sondern auch Rauhreif, das Wasser war gefroren - und WIR HABEN ÜBERLEBT !!!!

(Die Eisheiligen waren selten so pünktlich in der Rhön unterwegs)

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How to survive…

Die Eisheiligen in der Rhön, man sollte 2012 mit knackig kalten Nächten rechnen, so hieß es in den Medien. Für den Freitagabend war eine Unwetterwarnung in Kraft.

Wer schläft da schon draußen? Nein, nicht im Zelt, im Freien. Abseits der Zivilisation (das gibt es tatsächlich!) und an Vorräten und Material, was man selbst tragen kann.

„Wer macht denn so was?“, mag wohl der werte Leser nun fragen, „Freiwillig doch niemand?“

Doch, und zwar 9 Jugendwarte nebst Bildungsreferentin der DWJ LV Hessen, die bei einer extremen Selbsterfahrung einmal die eigenen Grenzen kennen lernen wollten.

Das Programm begann am Freitagabend, stürmisch vom herannahenden Unwetter begleitet mit einer Moderation zum Thema, gefolgt von der praktischen Übung: Wie starte ich eigentlich ein Feuer ohne Streichholz oder Feuerzeug? Gar nicht so einfach, aber nach einigen Versuchen war ein Feuer durch Feuerstein und unterschiedlichen Zundermittel im Gang.
Brennt ein Lagerfeuer erst einmal, muss natürlich Stockbrot her, was neben Forelle sehr schmackhaft auf den kommenden Tag einstimmen sollte.

Die erste Nacht gab es eben doch am Jugendzeltplatz Farnsberg (Nähe Wildflecken) ein Dach über den Kopf.

Die „Kräuterhexe“ Andrea Farnung begleitete uns Samstagvormittag auf einer kleinen Kräuterwanderung in der näheren Umgebung. Der Wald bietet bereits zu dieser Jahreszeit sehr viel mehr zu essen, als man sich vorstellen kann. Neben Brennessel (schmeckt gar nicht schlecht) und Giersch (gesundes „Unkraut“) fanden wir Gundelrebe und Breitwegerich.
Mit 8 Stengel Waldmeister auf 1 Liter naturtrüben Apfelsaft über Nacht bekommt man eine leckere Alternative zum normalen Apfelsaft.
Gerüstet mit diesem Wissen packten alle die Ausrüstung für die Nacht und auf ging`s zur etwa 3 km entfernten Lichtung im Wald – unser Ziel für die Nacht.

Um draußen übernachten zu können benötigt man neben einem Feuer mit genügend Brennholz auch  einen Unterschlupf, falls es regnet.
Jeder ging hier nach dem Holz sammeln also kreativ zur Sache und fand sich anschließend an der Feuerstelle ein, um gemeinsam an der Zubereitung des Abendessens zu arbeiten. So ganz „back to the roots“ waren wir ja nicht, unsere Version des Abenteuers reichte völlig und es gab weder Käfer, noch Regenwurmragout oder Wildschwein, sondern Kartoffel, Möhren und Lauch in einem leckeren Eintopf. Wo auch immer das Hähnchen herkam… mit Kräutern gespickt nach der Suppe am Spieß zubereitet war es weit besser, als uns eine Grillhähnchenbude hätte liefern können. Selbstverständlich darf Stockbrot am Lagerfeuer ebenfalls nicht fehlen und zusammen mit selbstgemachter Kräuterbutter aus Wildkräutern können wir getrost behaupten, dass wir sicherlich für die Umstände sehr gut gegessen haben!

Die Nacht? Ja, die Nacht im Schlafsack war für manche warm, andere haben gefroren. Außerhalb des Schlafsacks war es nahe dem Gefrierpunkt recht kalt. Das Wasser im Hundenapf war zumindest gefroren… So erlebte jeder selbst seine Grenzen in Sachen Abenteuerlust.

Das Lager wurde am nächsten Tag wieder renaturisiet: Die Feuerstelle verschwand unter den abgestochenen Erdbrocken, die Tags zuvor dort entnommen worden waren. Die Unterkünfte, komplett aus Naturmaterialien gebaut, wurden wieder zu Reisighaufen. Ein guter Beobachter hätte sicherlich erkannt, dass hier mal was war, aber im Großen und Ganzen sah man davon nicht mehr viel.

Ein abschließendes Gespräch mit einem der Rhön Ranger beantwortete offene Fragen zum Thema und jeder gab in der abschließenden Reflektionsrunde seine Eindrücke und Erlebnisse wieder.

Resümee: Interessante Erfahrung. Auszugsweise auch mit Kindern/Jugendlichen durchführbar. Wer so etwas vorhat muss es aber entweder auf Privatgelände durchführen, oder vorher mit dem Forstamt abklären!

Yvonne Weider

Interessante Literatur zum Thema:
Erlebnispädagogik im Wald: Arbeitsbuch für die Praxis, Hajo und Tobias Bach, ISBN: 978-3497022434
Outdoor Survival mit dem Messer, Johannes Vogel, ISBN: 978-3613506558
Essbare Wildpflanzen, 200 Arten bestimmen und verwenden, ISBN: 978-3038003359

     
     
     
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